Prof. Dr. M.-A. Bäuml-Roßnagl / LMU München
Mein Beitrag zur Pisa-Debatte
 
PISA und die Konsequenzen für zukünftige Bildungskonzepte
- aus meiner Perspektive zur Grundschulbildung -


Die PISA-Debatte hat Defizite in der Erfassung der "ganzen" Schulbildungswirklichkeit deutlich gemacht - sowohl aus der Perspektive der Datenerhebung wie auch im Focus der Folgerungen:

Schule ist ein hochkomplexes System, das einen hohen Anteil an der ganzheitlichen Kultur des Aufwachsens hat und haben sollte. Quantitativ überprüfbares Wissen - durch die PISA-Studie gewonnen - erfasst nur einen bestimmten Ausschnitt der schulischen Lern- und Erziehungseffekte. Lebensbedeutsame Leistungsdimensionen wurden nicht hinreichend erfasst.
Als Defizite für eine zukunftsfähige Bildung sind anzumahnen
Die PISA-Debatte verweist auf die KONZEPTIONELLE VERNETZUNG DER SCHULBILDUNG MIT AUSSERSCHULISCHEN BILDUNGSAKTIVITÄTEN im Kontext der gesellschaftlichen Wertschätzung von "Bildung":
 
Die gesellschaftliche Wertschätzung der Schulbildung müsste deutlich angehoben werden, denn "gelernt" wird nicht nur in der Schule!

Schulbildung hat nicht nur einen "vorbereitenden" Effekt für den beruflichen "Kompetenzerwerb" - Schulbildung erarbeitet in spezifischer Weise wichtige anthropo-soziale "Schlüssel"kompetenzen für die individuelle wie auch gesellschaftliche

Lebensgestaltung.

Schulbildung und gesellschaftlich-kulturelle Bildung haben eine gemeinsame "Bringschuld" für Bildung - das erfordert eine Sinn-Verknüpfung der Schulbildung mit der Wirtschafts- und Sozialwelt durch spezifische bildungskonzeptionelle Strategien wie
 

Die PISA-Debatte avisiert eine zeitgerechte Verbesserung der Lehrer(aus)bildung und eine adäquate Optimierung der pädagogisch-didaktischen Forschung:

"Mehr Praxisbezug" ohne theoretischen Begründungskontext vermitteln zu wollen ist ein Trugschluß - aber eine konsequente Theorie-Praxis-Verknüpfung ist geboten, d. h.

Die berufsbegleitende WEITERBILDUNG der LehrerInnen und Lehrer ist auch durch ein verstärktes Engagement und Verantwortlichkeit der Universitäten für die II. und III. Phase der Lehrerbildung fortzuentwickeln.  Ziel ist dabei stets die Befähigung

Die Pisa-Debatte intendiert eine entscheidende GESELLSCHAFTLICHE WERTSCHÄTZUNG VON "BILDUNG" ALS ANTHROPOLOGISCHES EXISTENTIAL FÜR EINE SINNVOLLE LEBENSGESTALTUNG:
 

Der Mensch ist ein entwicklungsbedürftiges Wesen, das nur über Lernprozesse seine Möglichkeiten individuell entfalten kann!

Eine zeitgerechte Erfassung menschen-möglicher Lerninteressen und Lernweisen ist notwendig, um die Heranwachsenden lebensfähig zu machen. Dazu ist auf neue Weise ein Bildungsverständnis für eine ganzheitliche Lernkultur wissenschaftlich zu erarbeiten und gesellschaftlich bewusst machen. Denn Bildungsprozesse vollziehen sich stets im gemeinsamen Netzwerk von Familien-Lernkultur, Alltagskultur (Freizeit , Medien) und Schulkultur.
 
 

Bildungsnotstand in Deutschland?
Pisa und die Folgen

BR-alpha Forum-extra
17. April 2002

Fernsehdiskussion mit:

Staatasministerin Monika Hohlmeier
Prof. Dr. Maria-Anna Bäuml-Roßnagl
Prof. Dr. Ernst Peter Fischer
Prof. Dr. Franz Mayinger

nachzulesen unter: www.br-online.de/alpha/forum
Suchdatum: 17.4.2002
  oder Rubrik: alpha-forum-extra

Stand 15.5.2002